Vitamine / Teil 2
Wasserlösliche Vitamine – Die Vitamine der B-Gruppe ist eine Gruppe von acht wasserlöslichen Vitaminen.
Vitamin B1
Charakterisierung
Vitamin B1 = Thiamin, ursprüngliche Bezeichnung: Aneurin
In Lebensmitteln sind als Zusatz Thiaminverbindungen (Thiamin-chlorid-hydrochlorid und Thiaminnitrat) zugelassen.
Stoffwechsel
Die Absorption erfolgt durch ein aktives Transportsystem mit dem täglich 8-15 mg aufgenommen werden können. Alkoholkonsum, Schwarzer Tee und Magensäureblocker hemmen die Absorption. Nach oraler Aufnahme von 5 mg und mehr pro Tag werden nur 5-10% im Darm absorbiert.
Funktion
Vitamin B1 wirkt im Energiestoffwechsel bei der Umwandlung von Kohlenhydraten, Aminosäuren und Fettsäuren in Energie.
Bedarf
Der tägliche Bedarf beträgt für Jugendliche und Erwachsene etwa 0,48 g/1000Kcal, das bedeutet für männliche Personen 1,0-1.3 mg/Tag und für Frauen 1,0 mg/Tag. Wegen erhöhten Energiebedarfs benötigen Schwangere eine Zulage von 0,2 mg/Tag und Stillende 0,4 mg/Tag. Bei Alkoholkonsum ist der Bedarf wegen der gestörten Absorption erhöht.
Versorgungszustand
Erhebungen in Deutschland ergaben eine tägliche Vitamin B1-Aufnahme von 1,5 mg bei Männern und 1,1 mg bei Frauen. Allerdings erreicht ein Drittel der Frauen nicht die empfohlene Zufuhr von 1,0 mg/Tag.
Vorkommen
Muskelfleisch (Schweinefleisch 0,9 mg/100g), Leber (0,3 mg/100g), Getreideprodukte je nach Ausmahlungsgrad (0,1-0,6 mg), Hülsenfrüchte und Kartoffeln (0,1-0,3 mg/100 g).
Nahrungszubereitung
Da Vitamin B1 sehr schnell durch Hitze und Sauerstoff zerstört wird, sollten die Lebensmittel nur kurz gelagert und schonend zubereitet werden. Die tägliche Zufuhr aus Nahrungsergänzungsmitteln in aller Regel in Form von Multivitaminpräparaten deckt meistens schon vollständig den täglichen Bedarf.
Gefährdungspotential
Vitamin B1 ist gering toxisch. Es gibt keine Berichte über Nebenwirkung durch erhöhte Aufnahme aus der Nahrung oder aus Nahrungsergänzungsstoffen.
In Nahrungsergänzungsmitteln sollten nicht mehr als 4 mg / Tagesverzehrsmenge und in angereicherten Lebensmitteln nicht mehr als 1,3 mg / Tagesverzehrsmenge enthalten sein.
Vitamin B1-Mangel
Bei einer Vitamin B1-Zufuhr unter 0,2 g/1000 Kcal kann es schon nach mehreren Tagen zu Mangelerscheinungen kommen. Eine unzureichende Vitamin B1 Zufuhr kann im Labor festgestellt werden können. Ein Vitamin-B1-Mangel führt zu Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Depressionen, Herzbeschwerden.
Für unzureichende Versorgung mit Vitamin B1 sind Personen gefährdet mit erhöhtem Bedarf, Mangelernährung, schweren Leberfunktionsstörungen, chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und übermäßigem Alkoholkonsum.
Anhaltender schwerer Vitamin B1 Mangel führt zum Krankheitsbild Beri-Beri mit Funktionseinschränkungen des Herzmuskels und des Nervensystems.
Vitamin B2
Charakterisierung
Vitamin B2 = Riboflavin, verwendetes Synonym ist Lactoflavin
Riboflavin und Riboflavin-5’-Phosphat-Natrium sind in Lebensmitteln zugelassene Vitaminverbindungen und zugelassene Lebensmittelfarbstoffe (mit der E-Nummer 101a).
Stoffwechsel
Vitamin B2 wird mit der Nahrung als freies Riboflavin aufgenommen. Bei 2-2,5 mg werden 50-60% absorbiert.
Funktion
Vitamin B2 spielt eine zentrale Rolle im oxidativen Stoffwechsel. Es ist bedeutsam für Biosynthese und Abbau von Aminosäuren, Fettsäuren und Kohlenhydraten.
Bedarf
Der Bedarf ist abhängig vom Energieumsatz und liegt durchschnittlich für männliche Personen bei 1.3 mg/Tag und für Frauen bei 1,1 mg/Tag. Wegen erhöhten Energiebedarfs wird bei Schwangeren eine Zulage von 0,3 mg/Tag und bei Stillenden von 0,4 mg/Tag empfohlen.
Der Bedarf ist bei schwerer körperlicher Arbeit und Alkoholmissbrauch und bei Einnahme verschiedener Antidepressiva erhöht.
Versorgungszustand
Bei einem Großteil der Bevölkerung ist die Vitamin B2 Aufnahme ausreichend, aber etwa 25% der erwachsenen Frauen erreicht die empfohlene Zufuhr nicht.
Vorkommen
Vitamin B2 kommt vor in Milch und Milchprodukten (0,2-0,6 mg/100 g), Fleisch (Schwein, Rind, Huhn 0,2 mg/100 g), Leber (Schwein, Rind 3,0 mg/100 g) und Fisch (Sardine, Hering 0,2-0,4 mg/100 mg), und auch in Avocado und Gemüse (Broccoli, Grünkohl, Erbsen, gelber Paprika 0,2-0,3 mg/100g) und Vollkornprodukten (0,2/100 mg).
Nahrungsmittelzubereitung
Vitamin B2 ist hitzestabil aber wird durch Licht inaktiviert. Bei sachgemäßer Lagerung und schonender Zubereitung betragen die Vitaminverluste etwa 20%.
Gefährdungspotential
Unerwünschte Wirkungen durch überhöhte Zufuhr von Vitamin B2 über Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel sind nicht zu befürchten.
Vitamin B2 Mangel
Ein Vitamin B2 Mangel kann bei Mangel- oder Fehlernährung auftreten und im Labor festgestellt werden. Vitamin B2 Mangel kann zu Wachstumsstörungen, Hautveränderungen, Entzündungen der Mundschleimhaut und Zunge und zu Augenentzündungen führen.
Anhaltender schwerer Vitamin B2 Mangel kann zusammen mit anderen Vitaminmangelzuständen zum Krankheitsbild Pellagra führen.
Vitamin B6
Charakterisierung
Vitamin B6 bezeichnet verschiedene Methylpyridin-Derivate mit biologischer Aktivität des Pyridoxins. Sie dürfen zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln und als Zusatz zu Lebensmitteln verwendet werden.
Stoffwechsel
Vitamin B6 wird nach der Aufnahme schnell und bis zu 75% absorbiert und vorwiegend in der Leber und im Muskel gespeichert.
Funktion
Vitamin B6 ist an zahlreichen enzymatischen Funktionen als Coenzym beteiligt und beeinflusst das Nervensystem, die Immunabwehr und die Hämoglobinsynthese.
Bedarf
Die Speicherkapazität für Vitamin B6 reicht für 2-6 Wochen. Der Bedarf ist vom Proteinumsatz abhängig (0,02 mg/g empfohlene Proteinzufuhr). Für Erwachsene wird eine tägliche Zufuhr von 1,2 mg für Frauen und 1,6 mg für Männer empfohlen, für Säuglinge (0,1 -0,3 mg/Tag) und Kinder(0,4-1,2 mg) deutlich weniger.
Versorgungszustand
Die durchschnittliche Aufnahme an Vitamin B6 liegt über der empfohlenen Zufuhr. Nur wenige Personen erreichen den Referenzwert nicht, gefährdet sind untergewichtige und ältere Personen mit geringer Nahrungsaufnahme und Personen mit hohem Alkoholkonsum
Vorkommen
In fast allen Lebensmitteln. Hauptsächliche Nahrungsquellen sind Kartoffeln, Fleisch, Wurstwaren, Brot, Milchprodukte, Gemüse und Obst. Einen hohen Vitamin B6-Gehalt haben Lachs, Nüsse, Rinderleber, Avocado, Hühnerfleisch, Hering und Schweinefleisch.
Nahrungsergänzungsmittel sollten pro Tagesverzehrsmenge nicht mehr als das 3-fache der Zufuhrempfehlung enthalten.
Mit Vitamin B6 angereicherte Lebensmittel sind Getränke, Cerealien, Süßwaren und Milcherzeugnisse.
Nahrungsmittelzubereitung
Vitamin B6 ist lichtem- und hitzeempfindlich. Sonneneinwirkung auf Milch in klaren Glasflaschen kann innerhalb von Stunden etwa 50% des Vitamin B6 zerstören. Sterilisation und Trocknungsprozesse von Milch führen zu erheblichen Verlusten von Vitamin B6. Trotz schonender Behandlung der Lebensmittel betragen die Zubereitungsverluste über 20%.
Gefährdungspotential
Unerwünschte Wirkungen beim Menschen in Folge großer Aufnahmemengen des in Lebensmitteln vorkommenden Vitamin B6 sind bisher nicht beobachtet worden. Überhöhte Zufuhr durch langfristige Aufnahme hoher Dosen angereicherter Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel können Nervenstörungen hervorrufen. Eine Langzeitaufnahme von pro Tag 25 mg sollte nicht überschritten werden. Unter Berücksichtigung der Aufnahme durch die Nahrung und angereicherte Lebensmittel sollten in Nahrungsergänzungsmitteln pro Tagesverzehrsmenge nicht mehr als 5,4 mg enthalten sein.
Vitamin B6-Mangel
Vitamin B6-Mangel ist äußerst selten, kann aber – gemeinsam mit Mangel an anderen Vitaminen – bei hohem Alkoholkonsum und Fehl- oder Mangelernährung auftreten. Mangel äußert sich durch Veränderungen der Haut im Bereich der Augen, der Nase, der Lippen und der Zunge, durch Blutarmut und durch neurologische Störungen.
Vitamin B12
Charakterisierung
Vitamin B12 oder Cobalamin ist eine Gruppe von Corrinoiden mit biologischer Wirkung beim Menschen. Als Vitaminverbindungen dürfen Cyanocobalamin und Hydroxycobalamin in Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden.
Stoffwechsel
Die Kapazität der Absorption liegt etwa bei 1,5-2,0 µg/Mahlzeit. Aus natürlichen Nahrungsmitteln wird Vitamin B12 etwa zu 50% absorbiert. Vitamin B12 wird überwiegend in der Leber gespeichert. Der Gesamtkörperbestand beträgt 2-5 mg und reicht für 3-5 Jahre. Magenmittel (Protonenpumpenhemmer z. B. Omeprazol) hemmen die Absorption.
Funktion
Vitamin B12 ist für die Zellteilung, die Blutbildung und die Funktion des Nervensystems wichtig.
Bedarf
Der Minimalbedarf beträgt 1µg/Tag. Empfohlen wird für Jugendliche und Erwachsene eine Aufnahme von täglich 3 µg, für Schwangere 3,5 µg und für Stillende 4,0 µg.
Versorgungszustand
Vitamin B12 wird durchschnittlich mehr aufgenommen als für die Bedarfsdeckung für erforderlich gehalten wird. Es gibt keine Hinweise für das Vorliegen von Mangelzuständen.
Vorkommen
Vitamin B12 kommt nur in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor. Wichtigste Nahrungsquellen sind Leber, Muskelfleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Eine vegane Kost enthält kein Vitamin B12. Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht mehr als 9 µg/Tagesdosis enthalten.
Küchenverluste
Unerheblich
Gefährdungspotential
Ungünstige Folgen durch Überdosierungen durch Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel sind nicht bekannt.
Vitamin B12 Mangel
Gefährdet sind Veganer und Personen mit jahrelanger Fehl- oder Mangelernährung, fehlender Fähigkeit Vitamin B12 Vitamin aus der Nahrung freizusetzen oder zu absorbieren (z.B. bei Zustand nach Magen- oder Dünndarmentfernung) und sehr seltene angeborene Stoffwechselerkrankungen.
Anhaltender Vitamin B12 Mangel kann zu Blutarmut und neurologischen (Nervenstörungen) und psychiatrischen (Gedächtnisstörungen, Depressionen) Störungen führen.


