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Im 12. Jahrhundert verfasste Hildegard von Bingen neben philosophisch-theologischen Abhandlungen ein Buch über die Ursachen und Heilungen von Krankheiten, ein Buch über die Heilkraft von Edelsteinen und ein Buch über die Heilkraft von Pflanzen.

Zeitgenössische Exemplare sind leider nicht erhalten, aber Abschriften und Zitate aus dem 13.-15. Jahrhundert überliefern das damalige Wissen über Krankheiten und deren Ursachen und über die Heilkraft der Pflanzen. Nach Hildegard von Bingen ist die richtige Ernährung Grundvoraussetzung für ein gesundes und langes Leben. Falsche Ernährung wirkt sich negativ auf die Seele aus und führt damit auch zu einem kranken Körper.

Nach Hildegard von Bingen erfordern Heil und Heilung in allen Lebensbereichen Hinwendung zum Glauben und maßvolle Lebensordnung. Ihre Empfehlungen für eine maßvolle und gesunde Ernährung stützen sich auf die traditionelle philosophische Naturheilkunde.

Sie teilte Lebensmittel in verschiedene Gruppen ein, solche für gesunde und für kranke Menschen, ausschließlich gut für Gesunde, ausschließlich gut für Kranke und solche, die weder für gesunde noch für kranke Menschen gut sind. Sehr wichtige Lebensmittel waren für sie unter anderem Dinkel, Kastanie, Galgant und Fenchel. Nahrungsgifte waren ihrer Meinung nach z.B. Schweinefleisch (darf nur bei Gewichtsverlust gegessen werden), Porree, Heidelbeeren (führen zu Gicht) und Erdbeeren (können zu Entzündungen führen).

Die Ernährung sollte abwechslungsreich sein (Getreide – besonders Dinkel, Milch und Milchprodukte, Fisch und Fleisch, Obst und Gemüse) und sich an den saisonalen Bedingungen orientieren.

Auch die Getränke und die empfohlene Trinkmenge sollten den Jahreszeiten angepasst werden, d.h. im Sommer nur reines (lauwarmes) Wasser trinken kombiniert mit leichter Kost, im Winter eher Wein (stark mit Wasser verdünnt) oder Bier (besonders Dinkelbier) kombiniert mit gehaltvoller Kost. Heilkräuter werden nicht als Teeaufguss sondern in Form von Medizinalwein eingesetzt.

Schon zu Lebzeiten war sie wegen Ihres Glaubens und ihrer Lebensart hoch angesehen. Ihre Ansichten über die Entstehung und Behandlung von Krankheiten fanden bei den Gelehrten und dem Volk große Anerkennung und weite Verbreitung.

Ihr Aufzeichnungen über die Heilkraft der Pflanzen gelten als das erste Standardwerk einer esoterisch orientierten Naturheilkunde. Auch heute gibt es viele Anhänger ihrer Lehren, insbesondere wegen der Gesunderhaltung durch maßvolle Ernährung und der Behandlung von Krankheiten durch Mittel aus der Natur.

Laut Hildegard von Bingen soll Essen “Spaß” machen, d.h. es muss schmecken, mit Liebe zubereitet und gegessen werden. Streit und negative Gedanken während des Essens beeinflussen auch qualitativ hochwertige Nahrungsmittel negativ. Der Rhythmus der Nahrungsaufnahme sollte dem individuellen Tagesablauf angepasst sein und dieser Rhythmus sollte konsequent eingehalten werden. Sie empfahl drei Mahlzeiten am Tag, “zum Frühstück, zum Mittag und zur Nacht”, wobei es durchaus gestattet war, abends reichlich zu essen, dann allerdings sollte ein Verdauungsspaziergang folgen, bzw. das Zubettgehen darf nicht mit vollem Magen erfolgen.

Für eine gute Verdauung sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und auch das warme Frühstück entscheidend. Gesunde Menschen sollten bis zur Mittagszeit nichts essen, um eine träge Verdauung auf Trab zu bringen. Eine Nüchternphase von 13-17 Stunden kann gesundheitsverlängernd wirken. Kranke Menschen, Kinder und Schwangere müssen dagegen ausreichend frühstücken. Wenn auf das Frühstück verzichtet wird, muss aber natürlich die Mittagsmahlzeit warm sein

Zum Frühstück empfahl sie: “Solange ein Mensch nüchtern ist, soll er ein Gericht zu sich nehmen, das aus Früchten und Mehl besteht, weil dies eine trockene Speise ist und dem Menschen gesunde Stärke verleiht. Auch soll er zuerst eine warme Speise verzehren, damit sein Magen warm wird“.

Nach Überlieferungen wurde von Hildegard von Bingen zum Frühstück eine warme Dinkelspeise empfohlen.

 

Zubereitet werden kann das Frühstück nach der als Habermus-Rezept (für eine Person) bekannten Anleitung:

2 Tassen Wasser

1 Tasse Dinkelschrot

1 kleingeschnittener Apfel

Saft einer halben Zitrone

je 1 Messerspitze Galgant- , Fenchel- und Bertrampulver

2 Teelöffel Honig

Zimt

Den Dinkelschrot in das kalte Wasser einrühren und unter Umrühren 5 Minuten vorsichtig aufkochen. Apfel, Galgant, Bertram, Fenchel und Honig hinzufügen. Bei kleiner Hitze 5 Minuten quellen lassen, Saft einer halben Zitrone darüber ausdrücken (und mit Zimt bestreut) warm servieren.